Skischaukel entzweit Dorfgemeinde

Am 30. Juni 2015 luden der Bürgermeister und seine Gemeinderäte die Bürger/innen von Vorderstoder ein, um über die aktuelle Lage im Zusammenhang mit der Skigebietserweiterung zu informieren. Auf der Tagesordnung stand die Vorstellung des bereits beim Gemeinderat eingebrachten Projekts sowie Diskussion und Festlegung der nächsten Schritte. Immer wieder wurde im Vorfeld betont, dass es sich bei dieser Veranstaltung um die Einleitung des Bürgerbeteiligungsprozesses im Rahmen von Agenda 21 handelt. „Doch es war vielmehr eine reine Alibi-Aktion, es scheint, als wäre ohnehin alles schon ausgeschnapst, für die Bürger/innen bietet man eine Beschäftigungstherapie“, schilderte eine empörte Teilnehmerin ihren Eindruck am Ende der Veranstaltung.

Diskutiert wurde jedenfalls kaum. Kritischen Stimmen entzog man einfach das Mikrofon, wenn sie Überlegungen weg vom Skigebietszusammenschluss hin zu anderen Alternativen anstellten. Oder es gab „Buh“-Rufe von leicht angeheiterten „Stammtischlern“, die der Tragweite des geplanten Projektes und ihrer demokratischen Verantwortung nicht annähernd gerecht wurden.

 

Besonders schwerwiegend war eine weitere Präsentation von falschen Zahlen oder unrichtigen Angaben seitens der Projektverfechter im Gemeinderat. So schönte auch der Bürgermeister die Pläne, um breite Zustimmung zu erreichen. Er wolle von den bisher geplanten 1600 Parkplätzen am Schafferteich Abstand nehmen und schlug stattdessen 100 Parkplätze vor. „Reine Salamitaktik – heute werden 100 gebaut, morgen kommen weitere dazu!“ ärgerte sich einer der Teilnehmer.

 

Gleichermaßen um Ausflüchte bemüht war der amtierende Ortsplaner, der auch bei dieser Veranstaltung einen validen Plan schuldig blieb. Desgleichen blieben auch Fragen zu den endgültigen Baukosten und einem Finanzierungsplan unbeantwortet. Ganz im Gegenteil, mit dem Hinweis auf Asylanten und die finanzielle Unterstützung für Griechenland rechtfertigte man die weiter steigenden Ausgaben der öffentlichen Hand, die für die sich ständig ändernde Machbarkeitsstudie bzw. Flächenwidmungsplan über Bedarfszuweisungsmittel aufkommt.

 

Die Absicht hinter der Veranstaltung scheint klar. Der Bürgermeister ist auf Zeitgewinn und auf Beruhigung der Lage vor den Wahlen bedacht, wie könnte er auch sonst rechtfertigen, dass sich der Ort immer mehr spaltet, selbst innerhalb mancher Familie gibt es diesbezüglich Unstimmigkeiten. "Am besten wir entsorgen alle über 70, dann haben wir freie Bahn", zeigte einer der Angeheiterten seine wahre Gesinnung und nahm sich damit offenbar Tourismusobmann Gösweiner zum Vorbild, der sogar schon in schriftlicher Form den Generationenvertrag in Frage stellte.

 

Nur ein zurück an den Start kann die sich verhärtenden Fronten entschärfen. Erst wenn das Widmungsverfahren gestoppt wird, können alle in Ruhe gemeinsam am Agendaprozess arbeiten, sich ernsthaft mit der Zukunftsfrage beschäftigen, Strategien überprüfen und neue Perspektiven entwickeln!

 

Ein weiteres Auseinanderdividieren der Bevölkerung wäre fatal und muss um jeden Preis verhindert werden. Ebenso müssen die offenen Anfeindungen und Sticheleien gegenüber rechtschaffenen Bürger/innen ein Ende haben. Würde ein Referendum zum jetzigen Zeitpunkt stattfinden, könnte dieses äußerst knapp ausgehen. Mit Siegern und Verlierern. Das Fundament für lang anhaltenden Unfrieden im Dorf wäre somit gelegt und wer kann dann wem noch in die Augen schauen?

 

Um den Bürgermeister in der letzten Ausgabe der Gemeindezeitung beim Wort zu nehmen und er tatsächliche einen Agendaprozess anstrebt, dann muss auch er die Offenheit und Bereitschaft mitbringen, sich auf einen längeren und intensiven Prozess einzulassen, auch wenn dieser zwei Jahre oder länger dauern könnte. Ein Prozess, an dem sich alle gesellschaftlichen Gruppen aktiv beteiligen und wo andere Meinungen und Perspektiven entwickelt werden können, ohne dass jemand Repressalien fürchten muss. Das kürzlich stattgefundene Treffen sorgte jedenfalls weder für Zuversicht und Beruhigung der Lage, noch war es der Kreativität und dem Zusammenleben förderlich.