"Brot und Spiele"

Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Wir zeigen Ihnen hier, warum enorm viel Geld in den Skizirkus gesteckt wird, obwohl sich dieser längst am "absteigenden Ast" befindet. Jeder Euro, der in dieses Geschäftsmodell gesteckt wird, ist nicht nachhaltig. Der Steuerzahler bezahlt für ein höchst zweifelhaftes Vergnügen.

Eigenwillige Subventionspraktiken für die WM in Schladming

[...] Voves/Schützenhöfer zahlen nicht mit eigenem Geld oder dem Geld ihrer Firma. Aber wie Stronach tun sie so. Wieder ein Beispiel aus dem Sport. Weil sich der so wunderbar zum Zusammenschustern eines populären Images eignet. Die Ski WM 2013 in Schladming wurde vom Land Steiermark laut Auskunft aus Voves‘ Büro mit rund 141 Millionen € gefördert. Allerdings liegen bloß Landtagsbeschlüsse für rund 48 Millionen € vor. Fragen nach der Herkunft und der Widmung der restlichen 95 Millionen € beantworten Voves/Schützenhöfer nicht. Schützenhöfer hatte die Chuzpe, eine diesbezügliche dringliche Anfrage der Grünen im Landtag als „Dreckpatzeln“ zu diffamieren.

 

Bis heute wurde keine Abrechnung der Ski WM vorgelegt. Fragen nach der Subventionierung des die WM durchführenden Österreichischen Skiverbandes und nach diversen Gründstückstransaktionen werden vom Büro des zuständigen Vizelandeshauptmann Schützenhöfer nicht beantwortet. Wieviel Geld erhält der ÖSV von der Voest für die Miete und Imagewerbung des Triumphbogens im Ziel der Planai, der in Schladming „Präsidentenzipfel“ genannt wird? Die Kosten trug übrigens der Steuerzahler (Auszüge aus Johannes Kocek, Blog).

Der "geschaste" Steuerzahler

[...] Immerhin hat Landeshauptmann Franz Voves ein paar Zahlen herausgerückt: 141 Millionen Euro spendete die Steiermark dem 14tägigen Schneespaß. Davon sind 62 Millionen „unmittelbar WM-relevant“, der Rest geht für Verbesserungen der Schladminger Infrastruktur auf. Ist das alles? Niemand weiss es.

 

So notwendig ein Spekulationsverbot ist, so überfällig ist ein Transparenzgebot für Landesbudgets. Die spätfeudale Kameralistik der steirischen Landesregierung und das Monopol des ÖSV sind ein unschlagbares Geschäftsmodell. Wie die FIS mitteilte, werden Weltmeisterschaften üblicherweise von einer AusrichtungsgesmbH organisiert, welche der nationale Skiverband und der Veranstaltungsort gemeinsam bilden. In Schladming regiert allein der ÖSV. Nur ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und der ÖSV-Generalsekretär Klaus Leistner wissen, wieviel die WM kostet. In dem vom ÖSV verteilten Budget werden sämtliche Bereiche mit Prozenten vom Gesamtvolumen ausgewiesen.

 

Der ÖSV sagt, er habe von der FIS für die Durchführung der Wettbewerbe 32 Millionen Franken erhalten. Na ja, Garmisch bekam vor zwei Jahren angeblich 42 Millionen Schweizer Franken, der ÖSV wird wohl ein Alzerl mehr gekriegt haben. Die ÖSV-Tochter Austria Ski und GroßveranstaltungsgesmbH“ organisiert die Sause, Schröcksnadel und seine rechte Hand Leistner sind Geschäftsführer. Das vom ÖSV verteilte Organigramm schaut aus wie eine Sonne, alle Strahlen gehen vom Tiroler Ski-Napoleon aus. Auch das Controlling besorgt er selber. Getreu dem neoliberalen Motto: Nur ja keine staatlichen Eingriffe in die unternehmerische Tätigkeit. Es sei denn, es handelt sich um Subventionen.

 

Das im globalen Sport-Business übliche und selbst von der EU abgesegnete Monopolsystem – ein Verband pro Nation pro Sportart – ist Schröcksnadel auf den Leib geschrieben. Als Schröcksnadel (71) den ÖSV 1990 übernahm, war er ein kleiner Unternehmer, der Pisten-Sicherheitssysteme und Panoramakarten für Liftstationen herstellte. Mittlerweile hat er das ÖSV-Budget von 38 Millionen Schilling auf 42 Millionen Euro gepusht. Persönlich hält er unter anderem Beteiligungen an mehreren Skiliften in Österreich, angeblich interessiert er sich für die Schladminger Planai-Bahnen. Seine Feratel Media Technologies sorgt für Tickets und Presse-Akkreditierungen bei heimischen Weltcuprennen. Vor einigen Jahren kaufte der ORF den von Schröcksnadel aufgebauten Wetter-Panorama-Sender TW 1 und just der ORF kriegt jedes Mal die Übertragungsrechte an inländischen Ski-Events. Seine neueste Flause scheint eine Kampagne für Winterspiele in und um Wien zu sein.

 

Vor Schröcksnadels Herrschaft wurde jedes heimische Skirennen von einer Agentur seiner Wahl vermarktet. Um Kitzbühel beispielsweise kümmerte sich eine Agentur namens APF, die auch mehrmals bei der TV-Auslandsvermarktung der ÖFB-Länderspiele zum Zug kam. Schröcksnadel riss sämtliche Marketingrechte an sich. Nur der ÖSV sei berechtigt, Werbung und Sponsoring für „seine“Weltcup-Rennen zu verkaufen, dekretierte er. Und behielt Recht, sogar vor Gericht. Der ÖSV vermarktet heute manche Sportler und Produkte mit eigenen Gesellschaften und bedient sich zusätzlich der Dienste einer Agentur, die dem ehemaligen österreichischen Abfahrtsweltmeister Harti Weirather gehört.

 

Der ÖSV und die Ski-WM: Eine Agenda Austria reinsten Wassers. Der Kleinbonum-Spin Off ÖSV und die Ski-WM sind der Traum vom Staat im Staat. Hier leben Kameralistik, Monopolwesen und Neoliberalismus in Symbiose miteinander: Der Alleinanbieter ÖSV kriegt,was er will. Die altmodische Verwaltung öffentlicher Budgets unterstütz und kaschiert willkürliche Steuermittelvergabe und erfüllt in einem Aufwaschen das neoliberale Dogma von der Interventionsabstinenz des Staates.

 

Um die Inszenierung unangreifbar zu machen, wird es in Herzen und Hirnen mit quasi-religiöser Inbrunst verankert. Die Ski-Heroen treten als Ersatz-Heilige aus der Epistel vom individuellen Profitstreben als Garant für das Wohlergehen des Einzelnen auf. Als einzige Angst des Österreichers bleibt, dass ihm die Steuermittel für den Trip auf den Kopf fallen. Aber sowas Lächerliches können nur Fremde denken. (Auszüge aus Johannes Kocek, Blog)


Der Journalist Johann Skocek beschäftigt sich seit Jahren mit dem System ÖSV -Schröcksnadel. Seine Berichte, vor allem im Umfeld der Schi-WM in Schladming, lesen sich wie ein spannender Krimi und werfen ein bezeichnendes Licht auf die Praktiken dieses Systems. Dieser Machtanspruch wird nun auch in der Region Pyhrn-Priel deutlich, wo es wie in der Steiermark Verwicklungen mit der Landespolitik gibt. Ebenso happert es auch in OÖ mit der Information der Bürger/innen - gezielt werden diese im Unklaren gelassen oder nur einseitig informiert. Wer letztlich zur Kasse gebeten wird und wer den Profit einstreicht, ist ziemlich klar.