Klimawandel macht Skigebieten zu schaffen

Foto Planischek: Die Realität des alpinen Skilaufs - ein weißes Kunstschneeband soll Weihnachtsgeschäft retten
Foto Planischek: Die Realität des alpinen Skilaufs - ein weißes Kunstschneeband soll Weihnachtsgeschäft retten

Eine Luftaufnahme des bekannten italienischen Fotografen Freddy Planischek vom 13.12.2015 aus Gröden in Südtirol  zeigt dramatisch, wie Skigebiete immer verzweifelter um das Überleben des alpinen Skilaufes kämpfen. Weiße Bänder in der grünen Wiese sind die Realität der letzten Jahre und versprechen für die Zukunft nichts Gutes. Trotzdem plant man in der Pyhrn-Priel-Region eine Skigebietserweiterung nach unten.

Die Liftbetreiber beschneien auf "Teufel komm raus", um den (vor-)weihnachtlichen Gast das Skifahren zu ermöglichen, obwohl diese Bemühungen Unmengen von Energie und Wasser verschlingen. Ob dieses Angebot Lust aufs Skilaufen erzeugt, sei dahingestellt - gefährlich ist es allemal, wie Experten warnen.


Klimaforscher Formayer: Klimawandel ist Fakt!

In seiner Präsentation „Auswirkungen des Klimawandels auf die touristische Nutzung der Pyhrn Priel Region“ zeigte Professor Formayer die Problematik der globalen aber auch regionalen Dynamik des Klimawandels und er stellte verschiedene Szenarien dar, die von der zukünftigen CO2 Reduktion abhängig sind. Besorgniserregend ist die Temperaturerhöhung im Alpenraum mit fast 2° C, die im letzten Jahrhundert damit wesentlich höher lag als das globale Mittel. Bis 2050 wird ein weiterer Anstieg um mindestens 2°C im günstigsten Fall erfolgen, im schlimmsten könnte die mittlere Temperatur um 6°C ansteigen. Das bedeutet,  dass es zu schwerwiegenden Veränderungen der jahreszeitlichen Abläufe kommen wird.

 

Fest steht, dass die Schneegrenze dramatisch nach oben wandert und Skigebiete in tiefen und mittleren Lagen mit immer größeren Problemen rechnen müssen. Das Sterben der Skigebiete hat südlich des Alpenhauptkammes schon massiv eingesetzt, dort wirkt sich das wärmere Wettersystem des Mittelmeeres bereits mit deutlichem Anstieg der Schneefallgrenze aus. Die winterlichen Niederschläge fallen in immer höhere Lagen als Regen. Kurzfristig kann mit Kunstschnee noch gegengesteuert werden - das weiße Band in der grünen Wiese wird immer öfter zur Realität. Jedoch ist die Attraktivität für den Wintergast kaum mehr gegeben. Liegt in den Ballungszentren kein Schnee, ist auch die Lust skizufahren sehr gering.

 

Die Kompensation der Klimaauswirkungen mit Kunstschnee ist mit steigenden Energie- und Wasserbedarf und den daraus resultierenden höheren Kosten verbunden (1 ha Grundbeschneiung mit  30 cm benötigt ca. 20.000 kWh). Ein Umstand, der in Zeiten, wo eine CO2 Reduktion erfolgen soll, höchst bedenklich ist!

Durch das Ansteigen der Temperaturgrenzen und der zunehmenden Regenfälle in höhere Lagen steigt die Notwendigkeit der Mehrmalsbeschneiung .

 

Den besonders gefährdeten Bereich sieht Formayer bei 1500 Meter Seehöhe, der in späterer Folge auf 1800 Meter ansteigen wird, damit also die Höhenlage erreicht, in der die Schischaukel errichtet werden soll.

 

Er warnte aber davor, dass mit extremen Ausreißern nach oben und unten muss gerechnet werden müsste, dass es immer wieder einmal einen "guten" Winter geben wird, relevant sind jedenfalls die Durchschnittswerte über längere Zeiträume mit Betrachtungszeiträumen über 30 Jahre.

 

Setzt sich der Trend fort, kann die Tourismusindustrie bis zur Mitte des Jahrhunderts mit maximal zwei Skigebieten in OÖ, die noch in Betrieb sind, rechnen. Schon in den letzten beiden Saisonen profitierte

Hinterstoder davon, dass viele kleine, tiefer gelegene Skigebiete nicht in Betrieb waren. Chancen sieht der Klimaforscher jedoch für den Sommertourismus: So würden die Menschen aus den Städten während der  immer länger andauernden Hitzeperioden in die grünen, höher gelegenen und dadurch kühleren Naherholungsgebiete flüchten. Der alpine Bereich gewinnt an Attraktivität.

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Vortrag Prof. Formayer über die Auswirkungen des Klimawandels auf die touristische Nutzung der Pyhrn-Priel-Region
Vortrag_Formayer_08.09.15.pdf
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Wir bedanken uns bei Prof. Formayer für die Überlassung seines Vortrags!


18.12.2015

2015 ist wahrscheinlich das bislang wärmste Jahr

"So warm wie 2015 war es global wohl noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Neun Monate haben in diesem Jahr bereits ihre jeweiligen Temperaturrekorde geknackt: Februar, März, Mai, Juni, Juli, August, September, Oktober und November. Im November lag die Durchschnittstemperatur um 0,97 Grad Celsius über dem Durchschnittswert des 20. Jahrhunderts."

 

Hier geht's zum Artikel in der Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


02.09.2015

Rekordhitze als Bote der Klimaveränderung

Noch nie war der Juni so heiß wie heuer, auch der Juli war in weiten Teilen Österreichs der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Der Rekordsommer und zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen hat uns auch mit dem ersten Septembertag einen neuen Hitzerekord beschert. Den Klimawandel zu leugnen, wäre aufgrund der Faktenlage fatal.


23.07.2015

Schröcksnadel leugnet Klimawandel

Der Klimawandel ist Fakt. Ihn zu leugnen, bedeutet die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Dagegen anzukämpfen, heißt, unnötig Energie und Geld zu verschwenden. Besser man stellt die Weichen rechtzeitig auf Alternativen.

„Kaufe jedes Skigebiet, das vor Klima Angst hat“

Die Kleine Zeitung berichtet am 16.01.2015 über das Streitgespräch zwischen Peter Schröcksnadel und Reinhold Messner, im Zuge der wortgewaltige ÖSV-Präsident sagt: „Das Gerede, dass die Schneegrenze auf 1000 Meter steigen wird, ist Unsinn. Ich kaufe gerne jedes Skigebiet, das allein aus Angst vor dem Klimawandel zusperren will.“

Noch nie war es im Juni so warm

Messwerte „zeigen Klimaveränderung“, so betitelt der ORF am 21.07.2015 seinen Beitrag.

Nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 136 Jahren hat es einen wärmeren Juni gegeben als heuer. Die weltweite Durchschnittstemperatur über den Meeren und zu Land betrug laut der US-Behörde Nationale Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA) 16,6 Grad Celsius. Auch ein weiterer Rekord fiel laut den Angaben: Mit dem wärmsten Juni ging auch das bisher wärmste Halbjahr zu Ende.

Juli wird wohl der heißeste in der Messgeschichte

In gleicher Tonart berichten die OÖ Nachrichten am 21.07.2015 über den Klimawandel. Der Juli 2015 ist auf dem besten Weg, der heißeste in der bisherigen Messgeschichte Österreichs zu werden. 3,5 bis vier Grad Celsius wird er laut Prognose - zehn Tage vor seinem Ende - über dem langjährigen Mittel liegen.


Die Auswirkungen den Klimawandels

Ausbau und Technisierung von Skigebieten sind im Hinblick auf den Klimawandel absurd und unverantwortlich. Seit Jahren warnen Klimaforscher vor den Folgen. Touristiker sind aufgefordert, das Winterangebot differenzierter und kreativer zu entwickeln. Alle Ressourcen auf den alpinen Skilauf zu setzen, verstärkt bereits bestehende Abhängigkeiten. Der Wettlauf ist nicht zu gewinnen.

Der Klimawandel wird Auswirkungen auf das Urlaubsverhalten und damit auf die wirtschaftliche Entwicklung der Tourismusbranche haben. Diesen Veränderungen für Mensch und Umwelt müssen neue Tourismusstrategien Rechnung tragen. Die Auswirkungen jedoch zu negieren oder gar schön zu reden, wie es in der Pyhrn-Priel-Region zurzeit praktiziert wird,ist fahrlässiger Unsinn! Wertvolle Zeit und finanzielle Mittel werden sinnlos vergeudet und unsere wunderschöne Landschaft geopfert. Ressourcen, die für die Entwicklung von Alternativen dringend gebraucht würden!

 

So versucht man in einer oö. Tageszeitung die Leser/innen auf eine falsche Fährte zu locken, siehe unter "Schneeloch Oberösterreich" vom 06. November 2014.

 

Doch Fakt bleibt, dass im Winter in den letzten Jahren die Unsicherheit bezüglich der (nicht) vorhandenen Schneemengen zur größten Bedrohung wurde. Zahlreiche Klimastudien zeigen, dass die Anzahl schneearmer Winter mit dem Klimawandel zunimmt. Weiters wird die Schneesicherheitsgrenze von 1200m auf 1800m durch die Klimaerwärmung steigen. Unter diesen Umständen könnte das Skifahren künftig zu einer exklusiven touristischen Nebenerscheinung werden, die sich auf teure Gletscherskigebiete beschränkt. Das bedeutet für alle anderen Skigebiete zur Überbrückung zunächst eine verstärkte Investition in Anpassungsmaßnahmen wie Beschneiungsanlagen, um alle Pisten womöglich wochenlang beschneien zu können. Gleichzeitig gewähren aber Banken kaum mehr Kredite für Skiregionen unter 1500m, weil das Risiko zu hoch ist, außer die öffentliche Hand übernimmt die Haftung dafür.

 

Darüber hinaus muss man sich bewusst sein, dass es keine umweltverträglichen, energieschonenden und wenig Wasser verbrauchenden Beschneiungsanlagen gibt, die auch bei Plusgraden funktionieren.

Kaum Sex-Appeal haben einzelne weiße Schneebänder in einer sonst grünen Landschaft
Kaum Sex-Appeal haben einzelne weiße Schneebänder in einer sonst grünen Landschaft

Skipisten bieten keinen Schutz vor Naturkatastrophen

Extreme Wetterschwankungen führen zu Naturkatastrophen. Nach herrschenden Klimaprognosen werden diese häufiger und die Ausreißer in beide Richtungen extremer. Neben langen Trockenperioden kommen auch „Jahrhundert-Hochwasser“ immer häufiger vor. All das spricht gegen den weiteren Ausbau von Beschneiungsanlagen und verdichtete Böden: Ein intakter Bergwaldboden speichert um bis zu 90% mehr Wasser als eine Skipiste. Durch den Kunstschnee werden die Schmelzwasserabflüsse im Frühjahr zudem stark erhöht. Das trägt zu Überschwemmungen bei und schafft die Sanierungsflächen von morgen.

 

Den besten Schutz vor Naturkatastrophen, wie Murenabgänge, Steinschlag und Hochwässer, bieten immer noch bestockte Bergwaldflächen und reiche Hochlagenvegetation, die somit absoluten Vorrang vor neuen Wintersporterschließungen haben müssen.

Ganzjahrestourismus wird weiter wachsen

Die Bedeutung von alternativen Winterangeboten und Freizeitaktivitäten, die auch ohne Schnee machbar sind, wird weiter wachsen. Wandern gehört hier dazu. Die Wandersaison beginnt dann nicht erst im Mai, sondern schon im April und dauert in den mittleren Lagen bis Ende November. Daneben bietet diePyhrn-Priel-Region viele weitereattraktive Angebote, die auch im Frühjahr und Herbst für Gästezufriedenheit sorgen können. Es muss uns klar sein: Adäquaten Ersatz für den alpinen Skilauf wird es kaum geben - aber es braucht Alternativen, welche die Landschaft nicht verbrauchen und die Abhängigkeitsspirale nicht weiter anheizen. Wenn wir rechtzeitig anfangen, entsprechende Angebote zu entwickeln, wird der Absturz nicht so hoch und heftig sein. Die rund 50 % der Wintergäste in der Pyhrn-Priel-Region, die nicht alpin skilaufen, sind Beweis für die Nachfrage abseits des alpinen Skirummels.

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Climate Change - Klimabericht 2014
Hier können Sie die Kernbotschaften des Berichts herausgegeben vom Bundesumweltministerium (BMUB), vom Bundesforschungsministerium (BMBF), dem Umweltbundesamt (UBA) und der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle (De-IPCC) downloaden.
2014-11-02_Kernbotschaften_IPCC_Klimaber
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