Mangelnde Wirtschaftlichkeit

Noch ist der Wintersport nicht akut in Gefahr, aber in 20, 30 Jahren könnte die Blase platzen. Skifahren ist dann zum Luxussport geworden, den sich nur mehr einige wenige ab und zu leisten werden (können).

 

Eine Woche Skiurlaub für eine vierköpfige Familie kostet mit Hin- und Rückreise, Unterkunft, Verpflegung und Liftkarte ca. 3000 € (2000 € Minimum). Günstiger ist das Skifahren nur in Skigebieten mit wenigen Pistenkilometern. So können sich nur mehr 13 % der österreichischen Bevölkerung eine Woche Skiurlaub im Jahr leisten.

 

Kleine, aber vor allem leistbare Skigebiete, die auch für das halbtägige Skifahren geeignet sind, kämpfen ums wirtschaftliche Überleben oder haben bereits aufgegeben.

 

Mittlere Skigebiete kämpfen ums Überleben, investieren teilweise in die notwendigen Modernisierungs- und Beschneiungsmaßnahmen, mitunter wird versucht, weiter zu expandieren.

 

Große Skigebiete expandieren nach wie vor, neue Pisten und Zusammenschlüsse werden durchgeführt, egal wie hoch der Preis ist. Die zerstörte Natur spielt keine Rolle. Der Aufrechterhaltung des vermeintlichen Wettbewerbsvorteils wird Vorrang gegeben.

Eine ökonomische Blase entsteht

Doch aufgrund der demographischen Entwicklung rechnen sich die Megakosten für Skigebietserweiterungen und -zusammenschlüsse nicht mehr. Immer mehr Aufstiegskapazitäten werden gebaut, immer schneller können noch mehr Personen den Berg hochtransportiert werden. Doch die Auslastung der Seilbahnen nimmt im Durchschnitt über alle Betriebstage ab. Noch können die Liftkartenpreise hochgehalten werden. So sind die Preise für Liftkarten seit dem Jahr 2000 um rund 40 % gestiegen, wohingegen die Inflation nur 30 % betrug. Die Seilbahnbetreiber stöhnen zunehmend unter der Last der Fixkosten für Beschneiung etc., sie suchen nach Mitzahlern, auf die sie die Fixkosten überwälzen können.

 

Doch die Fehlentwicklung ist bereits spürbar, vor allem in der Hotellerie. Immer mehr Hotelbetten werden zunehmend über die Billigschiene verkauft. Preisdumping über Hofer, Lidl, Billa und Co. sind heute Alltag. Die Betten müssen verkauft werden, egal zu welchem Preis. Die äußerst niedrige Eigenkapitalquote und hohe Kreditaußenstände bei den regionalen Banken zwingen viele Beherbergungsbetriebe dazu. Viele Hotels stehen aber auch schon leer (z. B. in Bad Gastein) oder wurden ins Ausland verkauft. Hier verläuft die Vertriebsschiene außerhalb von Österreich, diese Betriebe leisten dadurch relativ geringe Beiträge zum Steueraufkommen. Jedenfalls ist es vermessen zu behaupten, dass Investitionen in Seilbahnen und noch mehr Pistenkilometer automatisch Folgeinvestitionen innerhalb der gesamten Region nach sich ziehen würden.

 

Ohne Steuergelder wären die meisten Investitionen nicht machbar. Der Steuerzahler zahlt, egal ob er selber skifährt oder nicht. Oder aber die Seilbahnbetriebe bekommen zinsenlose Darlehen von den Ländern, dazu übernehmen die Länder und Gemeinden oft Haftungszusagen.

 

Die "staatlich subventionierte Umverteilung der Skigäste" erfolgt von unten nach oben. Kleinere und mittlere Skigebiete bekommen eher wenig vom großen Kuchen, die großen Gebiete sahnen hingegen tüchtig ab. Damit wird die Strukturbereinigung weiter angeheizt, aber auch der Trend zu Gigantismus hält weiter an. Die Skigebiete versuchen, sich mit immer neuen Investitionen in "immer größer, immer höher, immer noch mehr Pistenkilometern" zu übertrumpfen. Vom höchstgelegenen Gourmettempel, über die steilste Piste und den meisten Sonnenstunden finden sich viele Superlative. Vor allem das Streben nach immer noch mehr Pistenkilometern steht ganz oben. Doch durch die Größe steigen wiederum die Preise, sowie der subtile Druck auf die Gäste, dieses Angebot auch zu nutzen - was dann mit Erholung nichts mehr zu tun hat! Dabei macht die Unterstützung kleinerer Skilifte politisch durchaus Sinn. Hingegen ist es falsch und wettbewerbsverzerrend, wenn Staatsgelder für den Auf- und Ausbau weiterer massiver Überkapazitäten für mittlere und große Skigebiete verwendet werden. Aber auch für den Ausbau von Beschneiungsanlagen sind staatliche Förderungen nicht mehr zeitgemäß.

 

Die Folgeinvestitionen zur Erhaltung der Infrastruktur wollen sich manche Betreiber nicht leisten, dann kommt es zu Erodierungserscheinungen wie man sie bspw. auch an den Einrichtungen der Wurzeralm beobachten kann.

 

Die zunehmend höher werdenden Kosten für die künstliche Beschneiung können selbst durch die stark steigenden Liftkartenpreise kaum mehr gedeckt werden und sollen nun an Tourismusverbände, Gastronomie und Handel ausgegliedert werden. Selbst Nobelskiorte beklagen sich, so suchen Lech und Zürs nach Möglichkeiten, ihre Kosten für Kunstschnee in der Höhe von 6 Mio. Euro pro Jahr an Mitzahler aufzuteilen. (Seilbahner fordern Beitrag zur Pistenbeschneiung, Tiroler Tageszeitung, 21.01.2015)


Bei all diesen Fakten soll man sich ernsthaft die Frage stellen, wie viele Skigäste es täglich braucht, damit Darlehen zurückgezahlt werden können!

Umverteilung von unten nach oben

Viele Projektideen in der Pyhrn-Priel-Region über die einzelnen Förderschienen sind in den letzten Jahren an der Finanzierung gescheitert. Dennoch soll nun ein einzelner Betrieb mit über 100 Mio. Euro Steuergeldern gepusht werden, noch dazu für ein Projekt, gegen das viele Argumente sprechen.

Doch warum nimmt man nicht die 100 Mio. Euro und fördert damit eine Qualitätsoffensive, an der viele Unternehmen in der Region Anteil nehmen können?