Die Nachteile von Pistenbau und künstlicher Beschneiung

Der Großteil der österreichischen Skipisten (> 70 %) ist mittlerweile mit technischen Beschneiungsanlagen ausgerüstet. Ursprünglich sollte der Kunstschnee die Unberechenbarkeit des Naturschnees ausgleichen, heute wird eher der Naturschnee als Ergänzung zum Kunstschnee gesehen und nicht umgekehrt. Doch der Einsatz von Schneekanonen ist umstritten.

Der Umgang mit Schneeknappheit führt ins ökonomisches Desaster

Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen die Skigebiete in Beschneiungsanlagen investieren. So wurden in Österreich seit dem Jahr 2000 mehr als 1,3 Milliarden in künstliche Beschneiung investiert. Eine einzelne Schneekanonen (nicht die ganze Anlage!) kostet etwa 35.000 Euro (Quelle: ORF.at 16.1.2007). Aber nicht nur die Schneekanonen selbst, sondern auch Wasseraufbereitungsanlagen für die richtige Temperatur, Pump- und Kompressorstationen, Rohrleitungen für Wasser, Luft und Strom, Pistenplanierungen und Speicherseen gehören zur technischen Aufrüstung der Gebirge und müssen finanziert werden. Zusätzlich zu den Baukosten kommen die laufenden Kosten für den Unterhalt dazu. In Summe kostet die Erzeugung von Kunstschnee pro Kubikmeter zwischen zwei und fünf Euro. Ein teurer Spaß, denn der Verbrauch ist enorm:
1 Tonne Schnee verbraucht ein Skifahrer pro Tag, dieser muss mit der Pistenraupe wieder hinauf befördert oder durch neuen Schnee ersetzt werden.

 

Die Schnee-"Sicherheit", die Tourismusmanager und Seilbahnbetreiber mit dem Einsatz von Schneekanonen garantieren wollen, gilt immer nur für (sehr) wenige Jahre. So wurde die als „schneesicher“ geltende Berghöhe laufend nach oben korrigiert. Lag sie vor einigen Jahren noch bei 1200 Metern Seehöhe, sind es zurzeit Gebiete über 1500m, in den nächsten Jahren könnte sich die Grenze auf über 1800m verschieben.

 

Dazu kommt, für Beschneiungsanlagen werden meist keine Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt. Gibt es dann warme Wintermonate mit stillstehenden Schneekanonen, dann führen diese unweigerlich zur Verschuldung von Gemeinden und Skigebieten. Man will daher Ausfälle um jeden Preis vermeiden. So kommt es zu weiteren Investitione. Doch ob sich die Investitionen lohnen, ist fraglich. So werden immer häufiger Zuschüsse aus Steuermitteln gewährt oder die Seilbahnbetreiber suchen händeringend nach Mitzahlern für ihre Fixkosten (Kunstschnee kostet Skigebieten Millionen, Kurier, 20.01.2015)

 

Um dennoch bei Plusgraden beschneien zu können, kommt es vereinzelt auch zum Einsatz von teils unerlaubten Mitteln, wie Salze und Bakterien. Der Einsatz von "Snowmax" ist in Österreich zwar verboten, weil Gesundheitsrisiken nicht ausgeschlossen werden können, dennoch es gibt dafür einen großen Schwarzmarkt. Bei diesem Mittel werden inaktivierte und gefriergetrocknete Bakterien dem Beschneiungswasser als Kristallisationskeime beigesetzt und versprüht.

 

Sie sehen: Die Risikospirale wird weiter angeheizt, die Minderung eines Problems erzeugt neue Probleme.

Der Bau des Speicherteiches auf der Wurzeralm am Rande des unteren Filzmooses erfolgte durch ein Zugeständnis des amtlichen Naturschutzes.

Immenser Wasser- und Energieverbrauch für Kunstschnee-Wahnsinn

Mit ca. 1000 Liter Wasser können durchschnittlich 2 bis 2,5 m³ Schnee erzeugt werden. Um ein Hektar Piste mit der Grundbeschneiung von ca. 30 cm Höhe zu versehen, werden mindestens eine Million Liter bzw. 1000 m³ Wasser benötigt.


Das ergibt für die alpinen Skigebiete einen Verbrauch von rund 95 Mio. Kubikmeter Wasser für rund 23.800 Hektar beschneibare Fläche, wie die internationale Alpenschutzkommission Cipra berechnete.

Das entspricht dem jährlichen Wasserverbrauch einer Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern. Der dafür anfallende Gesamtenergieverbrauch der Beschneiungsanlagen komme, so der Hintergrundbericht der Cipra, dem Jahresverbrauch von 130.000 Vier-Personen-Haushalten gleich. (Tourismus im Klimawandel. Ein Hintergrundbericht der Cipra. Compact-Reihe, Nr. 01/2011).


Mit steigender Tendenz! Denn die zunehmend höheren Temperaturen lassen die Schneekanonen auf Teufel komm raus laufen - immer mehr Schnee in kürzerer Zeit. Das ist nur möglich durch noch mehr Beschneiungsanlagen, noch höheren Wasser- und Energieverbrauch, noch höhere Kosten. Ein wahrer Teufelskreis!

Kunstschnee verursacht ökologische Probleme und irreparable Schäden

Neben wirtschaftlichen Risiken verursachen künstliche Beschneiungsanlagen im alpinen Bereich über 1500 Meter bersonders gravierende ökologischen Schäden. 

 

Um die Kosten für die künstliche Beschneiung möglichst niedrig zu halten, müssen deutliche Geländeveränderungen durchgeführt werden. Glatte Flächen sind einfach leichter zu beschneien. Die Pistenflächen werden zur Erosionsvermeidung drainagiert, was zu Problemen im Wasserhaushalt führen kann. In Tirol gibt es bereits Gemeinden, die mit der Wasserversorgung zu kämpfen haben, weil in den regenarmen Wintermonaten zu wenig Wassernachschub ins System gelangt.  Die im großen Stil entnommenen Wassermengen können so zu Nutzungskonflikten führen. Doch nicht nur das, wird sauberes Wasser knapp, kann es zu steigenden Wasserpreisen kommen.

 

Die Bodenausgleichsarbeiten führen zu dauerhafte Schäden, wie die Fotos weiter unten in der Galerie zeigen. Um zumindest den Schein von grün zu wahren, werden schnellwüchsige Grünpflanzen angepflanzt, die weder standortkonform sind, noch ohne Düngemittel oder standortfremde Nährstoffe wachsen.

 

Der Skipistenausbau mit Planierungen, Schneekanonenanlagen und Infrastruktur führt zur Zerstörung der wertvollen ökologischen „Klima-Ausgleichsflächen“, aber auch der Einsatz von Kunstschnee sowie das Wasser aus den Schneekanonen verändert und vermindert die Artenzusammensetzung und die Anzahl der Arten.

 

Schneeraupen schaffen durch die Komprimierung der Schneedecke einen Kältepolster, der in Folge die Vegetationsperiode deutlich verkürzt. Lange Zeit streuten Bauern "Thomasmehl" dagegen, welches reich an Schwermetallen ist, das aber 1995 offiziell verboten wurde. Noch gravierender sind die Auwirkungen der künstlich erzeugten Schneedecke auf Bodenlebewesen. Unter den hier herrschenden lebensfeindlichen Bedingungen können Laufkäfer und Spinnentiere nicht überleben. Sie sterben aus.

 

Doch auch die nächtliche Beleuchtung und den Lärm der Gebläse der zahlreichen Schneekanonen stört die Tierwelt. Diese werden meist in den Dämmer- und Nachtstunden betrieben. Zwar können sich Rehe, Gämse und Hirsche bis zu einem gewissen Grad an den Lärm gewöhnen, doch Vögel reagieren besonders sensibel. So wurde beobachtet, dass Raufußhühner und Käuze völlig abwandern, wenn ihre Reviere künstlich beschneit werden. Dies würde die Nordabhänge des Warscheneckgebiets besonders treffen, ist es doch reich an diesen Populationen. 

Die Bilder zeigen den Skipistenbau im Karstgebirge. Tiefe Wunden hat der Ausbau der Pisten am Feuerkogel gerissen (Bilder 1 bis 4), ebenso wie bei der Frauenkarabfahrt auf der Wurzeralm (Bilder 5 bis 8). Zum einen sind es teilweise großflächige Felssprengungen und umfangreichen Planierungsarbeiten am Karstboden, die den großflächige Verlust von Vegetation, Humus-Schicht und Bodenleben nach sich ziehen. Andererseits zerstört der Bau von Beschneiungseinrichtungen und das damit verbundene Verlegen von Wasser-, Luft- und Stromleitungen in tiefen (frostfreien) Gräben den empfindlichen Bergwaldboden. Massive Geländeeingriffe mit schweren Baumaschinen, die sich vom Tal bis zur Bergstation hinaufziehen. So ist es fraglich, ob sich die Vegetation und der Boden nach diesen Eingriffen je wieder regenerieren können.

Fotos 1 und 2: Zerstört, verdichtet, trocken - so zeigt sich der einst artenreiche Waldboden.

Fotos 3 und 4: Einstmals form- und artenreichen Karstböden wurden zerkleinert und planiert, wenn überhaupt, dann wächst hier nur mehr standortfremder Fettrasen.