Manipulation der Öffentlichkeit mittels Stimmkarten

Ohne Pläne zu veröffentlichen und Details zu nennen, buhlen die Projektwerber um Zustimmung für Skischaukel. Ein "Nein" ist auf diesen Karten nicht vorgesehen.

Im Zuge der Weltcuprennen im Februar 2016 machen die Projektwerber rund um Tourismusobmann Gösweiner massiv Stimmung für die Skischaukel 2020. Mit Stimmkarten Pro-Skischaukel sammeln sie Unterschriften für das Projekt. Sogar an den Seilbahnkassen werden Gäste um ihre Unterschrift angehalten. Man schreckt nicht einmal davor zurück, Gäste des Skigebiets mit einem Stamperl Schnaps von der "Richtigkeit des Projekts" zu überzeugen. Fragt man aber nach näheren Details zur Streckenführung, erhält man keine Antworten. Der mündige Bürger kann sich so kein Bild machen, das wird auch nicht gewünscht. Alles, was in diesem Fall zählt, ist die Unterschrift.

Ein weiteres brisantes und demokratiepolitisch höchst bedenkliches Merkmal dieser Aktion: Informationen erhalten nur diejenigen, die ihre Stimme für das Projekt abgeben und ihre Email-Adresse angeben. Thomas Scholl, der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, begründet das mit der ablehnenden Haltung der Projektgegener, die alle Pläne zerpflücken könnten...

Die Stimmkarte der Pro-Skischaukel-Werbekampagne stößt viele Gästen der Pyhrn-Priel-Region sauer auf
Die Stimmkarte der Pro-Skischaukel-Werbekampagne stößt viele Gästen der Pyhrn-Priel-Region sauer auf

Hochglanz-Werbe-Broschüre und verbale Ausrutscher statt umfassende Erläuterung der Pläne

Kurz vor Weihnachten 2015 ließ der Tourismusverband Pyhrn-Priel eine 12-seitigen Hochglanzbroschüre der Kirchdorfer Ausgabe der "Rundschau" beilegen. Alle verfügbaren Informationen waren völlig einseitig, nur in vollmundigen Werbebotschaften und mit Fantasiezahlen warben die Touristiker für das Projekt. Statt die Allgemeinheit über die Absichten und Pläne umfassend zu informieren, werben die Verantwortlichen mit leeren Worthülsen und halten alle Details über das Projekt und den Verlauf der geplanten Verbindung geheim. Tourismusverantwortliche, Vertreter der WKO Kirchdorf und die Bürgermeister/innen der Region mauscheln weiter hinter verschlossenen Türen.

 

Die Informationspolitik bleibt intransparent und einseitig, wie schon beim ersten Tunnelprojekt, sie geht nur diesmal mit marktschreierischer und äußerst unseriöser Stimmungsmache einher. Anfragen von Alpinvereinen, Naturschutzorganisationen und anderen Interessierten, beantwortet vor allem Tourismusobmann Gösweiner meist mit verbalen Ausrutscher, die auch vor persönlichen Angriffen auf tiefstem Niveau nicht Halt machen.

Nach dem Tunnel ist vor dem Tunnel

Auf einem Plakat werben die Projektbetreiber für einen kurzen Tunnel? Wo soll der vom Frauenkar ausgehend wohl hinführen?

Kein langer Skitunnel  - also doch ein Skitunnel! Werbeplakat in den Skigebieten Hinterstoder-Höss und Wuzeralm
Kein langer Skitunnel - also doch ein Skitunnel! Werbeplakat in den Skigebieten Hinterstoder-Höss und Wuzeralm

Ein höchst verwunderliches Vorgehen, nachdem Landeshauptmann Pühringer bereits Anfang September 2015 den über vier Kilometer langen Seilbahntunnel aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen absagte. Welche Trassenführung auch immer präsentiert wird, das Horrorszenario für den Schafferteich bleibt auf jeden Fall weiter aufrecht, denn es braucht auch in Vorderstoder eine Anbindung an die Skischaukel. Damit würden im Loigistal 1600 Parkplätze für PKW und Busse entstehen, die mittels einer neu zu errichtenden Straße in unmittelbarer Nähe des Schafferteichs vorbei führt. Irgendwo muss ja die Anbindung von Hinterstoder über Steyrsbergreith, Schmidleitenreith (unter Einbindung der Hackl-Lifte)  und Hutberg hinunter und in Folge wieder aufwärts führen. Dies ist sehr gut an der folgenden Skizze zu erkennen:

Der nördliche Teil der geplanten Skischaukel zeigt die Gefährdung des Schafferteichs und der alten Lärchenurwälder im Loigistal
Der nördliche Teil der geplanten Skischaukel zeigt die Gefährdung des Schafferteichs und der alten Lärchenurwälder im Loigistal

Variante über Dümlerhütte und Teichlboden

Die Seilbahnlobby strebt nach einem Zusammenschluss um jeden Preis. Nicht einmal vor dem Gebiet um die Dümlerhütte hätte sie Halt gemacht, sondern diskutierte im Frühjahr und Sommer 2015 eine Skischaukel-Variante nahe der Dümlerhütte, über Halssattel und Teichlboden. Völlig unberücksichtigt blieben dabei die negativen Auswirkungen auf Landschaft und Natur, die aus einem der meist frequentierten Wanderzielen der Pyhrn-Priel-Region eine Schotterhalde gemacht hätten.

 

Diese Pläne wurden jedoch nie öffentlich diskutiert, weil sie von Vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen wären - die Eingriffe in das Landschaftsbild und die Folgen für die Natur wären zu groß gewesen. Außerdem hätte das zu erwartende Abwandern von Gästen auch zu wirtschaftlichen Einbußen geführt.

Ein Tunnel soll's richten

Im Herbst 2014 nahmen die Projektwerber, allen voran Tourismusobmann Herbert Gösweiner, einen neuerlichen Anlauf und präsentierten die Version 2.0 mit einem rund 4,7 Kilometer langer Tunnel vom Schafferteich hinauf ins Frauenkar, um die beiden Skigebiete miteinander zu verbinden. Dieser Variante erteilte Landeshauptmann Pühringer kurz vor den oö. Gemeinderats- und Landtagswahlen 2015 ein Absage, um die aufgeheizte Stimmung in der Pyhrn-Priel-Region zu kalmieren. Für ihn war „der Tunnel wirtschaftlich nicht darstellbar und in Zeiten wie diesen auch nicht finanzierbar". Darüber hinaus war "der Eingriff in die Natur zu stark."

Erstes Projekt bereits 2010

2010 wurde öffentlich bekannt, dass der Unternehmer und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel die Skiverbindung Höss-Hinterstoder über Vorderstoder mit der Wurzeralm plant. Aufgrund des massiven öffentlichen Widerstands, der von den Naturschutzorganisationen und Alpinvereinen organisiert wurde, zogen die Projektwerber das Projekt oben über das Warscheneck wieder zurück.